Gedankenkarussell

Kann man Menschenkenntnis wirklich lernen?

Menschenkenntnis lernen

Entweder man hat sie oder man hat sie nicht: die Menschenkenntnis. Die einen treffen jemanden und wissen sofort: „Von der Person halte ich mich besser fern!“ Die anderen laufen grinsend hinein ins Verderben und klatschen dabei sogar noch ’nen High Five ab. Ich muss sicher nicht erwähnen, zu welcher Sorte ich gehöre.. ein kleiner Tipp: die erste ist es nicht. Aber wie soll das gehen? Wie kann man nach einem ersten Eindruck eine Person einschätzen, ohne sie wirklich zu kennen? Kann man Menschenkenntnis lernen?

Was ist Menschenkenntnis überhaupt? Wikipedia definiert es folgendermaßen:


Menschenkenntnis ist die Fähigkeit, das Verhalten oder den Charakter von Menschen aufgrund eines ersten Eindrucks richtig einzuschätzen, zu erkennen und zu beurteilen, und vorherzusagen wie sie denken und wie sie handeln werden.“


Wow. Klingt für mich nach einer übernatürlichen Fähigkeit. Das ist ja wie Liebe auf den ersten Blick, nur eben ohne Liebe! Und an dieser Stelle sollte ich wohl erwähnen, dass Liebe auf den ersten Blick für mich auch nur ein Märchen ist. Denn wie soll man nach dem ersten Eindruck wissen, ob man jemanden liebt, ohne ihn zu kennen? Mein Bauchgefühl sagt mir:  Menschenkenntnis kann man nicht lernen. Fraglich, ob man diese Fähigkeit überhaupt besitzen kann. Doch vielleicht sehe ich das am Ende dieses Beitrages ja plötzlich anders.

Menschenkenntnis lernen – den ersten Eindruck analysieren!

Wer von sich behauptet, Menschenkenntnis zu besitzen, wird ein „System“ haben, anhand dessen er sein Gegenüber einschätzt. Manche mögen sagen, es sei nur „ein Gefühl, das man eben hat“, wenn man jemanden trifft, doch hinter diesem Gefühl stecken bewusst oder unbewusst Kriterien, anhand derer wir bewerten. Folgende Punkte dienen als Hilfe zur ersten Einschätzung:

  • Aussehen (z.B. gepflegt, gut gekleidet, kaputte Kleidung)
  • Gestik (z.B. selbstbewusst, temperamentvoll, zurückhaltend)
  • Mimik (z.B. lächelnd, mürrisch, arrogant)
  • Haltung (z.B. aufrecht, gebückt)
  • verbale Kommunikation (z.B. Tonlage, Wortwahl, Akzent)
  • Verhalten (z.B. gute Manieren, schlechte Manieren)
  • Vorurteile

Diese Punkte sind jene, die wir direkt am Anfang eines Treffens analysieren und bewerten können. Das erste Bild ist geschaffen. Oftmals ist der erste Eindruck jedoch geprägt von Vorurteilen. Benutzt jemand viele Schimpfwörter und hat dazu noch einen Akzent, geht man von einem asozialen Ausländer aus. Tritt jemand in sauberem Anzug mit aufrechter Haltung und festem Händedruck auf, schätzt man die Person als erfolgreiche, wichtige Business-Person ein. Sehr viele Menschen behaupten von sich, eine gute Menschenkenntnis zu besitzen, doch laut Studien täuschen sich viele. Oftmals sind es besagte Vorurteile, die unseren ersten Eindruck verzerren.

Wichtig für die Menschenkenntnis ist ein gutes analytisches Denkvermögen. An dieser Stelle ist es wichtig, oben genannte Punkte OBJEKTIV zu betrachten, aufzunehmen und abzuspeichern.

Menschenkenntnis lernen – Erfahrungen und Bauchgefühl!

  • Assoziationen (z.B. Ähnlichkeiten zu anderen Personen)
  • Hintergrundwissen (z.B. zu Nationalität + Situation im jeweiligen Land)
  • Bauchgefühl

Nach Einschätzen des ersten Eindrucks geht es ans Vergleichen. Vielleicht kennen wir jemanden, der dieser Person ähnlich ist und eventuell sogar gleiche Charakterzüge aufweist. Jemand, der ebenso verängstigt schaut und die Schultern einzieht. Jemand, der genau so aufbrausend ist und Schimpfwörter benutzt. Jemand, der uns Honig um den Mund schmiert.

Wenn wir solche Verhaltensweisen bei einer anderen Person bereits entdeckt haben, assoziieren wir die fremde Person mit der bereits bekannten. Dies ist im Grunde jedoch auch nur eine Form des Vorurteils. Trifft man z.B. eine junge, hübsche Frau (aus Osteuropa), die vorgibt, einen reichen, sehr alten Mann zu lieben, so glaubt man, sie wolle nur sein Geld. Oftmals ist dem auch so, doch es soll auch vorkommen, dass diese Damen wirklich verliebt sind. Ihr seht, es ist sehr schwer einen Grad zwischen Vorurteil und „Ja klar kenne ich ihre Intentionen“ zu finden.

Menschenkenntnis lernen

Menschenkenntnis lernen – warum unser Charakter eine wichtige Rolle dabei spielt!

Letztendlich läuft es wieder auf uns und unser Denken hinaus. Bist du jemand, der an das Gute in den Menschen glaubt? Dann wirst du Menschen nicht so schnell verurteilen und ihnen keine bösen Absichten zugestehen. Bist du jemand, der nur das Schlechte in den Menschen sieht? Dann wirst du tendenziell auch öfter schlechte Intentionen entdecken und Menschen so einschätzen.

Ich persönlich kann Menschen überhaupt nicht einschätzen. Ich glaube an das Gute in den Menschen und brauche oftmals sehr lange, um zu merken, dass mich jemand ausnutzt oder verarscht. Wie oft hört man, dass Person A von Person B verarscht wurde? Ist das nicht der beste Beweis, dass man Menschen nicht wirklich einschätzen kann? Dass man sich zwar ein Bild zurecht legt, teils aus Vorurteilen teils aus Erfahrungen, aber niemals wissen wird, wie eine Person tatsächlich handeln wird? Denn wir sind alle unterschiedlich. Wie möchtest du einen Menschen einschätzen, den du so noch nie auf der Welt getroffen hast?

Menschenkenntnis lernen – mein Fazit!

Am Ende dieses Beitrags bin ich noch immer der Meinung, dass Menschenkenntnis nicht lernbar ist. Ich bin sogar der Meinung, dass man Menschenkenntnis nicht besitzen kann. Man legt sich Erfahrungen und Vorurteile zurecht und hat mal Glück mit seiner Einschätzung, mal hat man Pech. Durch analytisches Denkvermögen, wie Sherlock Holmes es besitzt, können wir Verhaltensweisen und Auftreten zwar sehr genau beobachten, jedoch machen viele den Fehler, subjektiv zu bewerten. Und aus subjektiven Bewertungen werden Vorurteile, die oftmals gar nicht zutreffen.

Ich bin immer noch völlig eingenommen von diesem Thema und brauche unbedingt deine Meinung! Würdest du dich als jemand mit guter Menschenkenntnis bezeichnen? Woran machst du das fest und wie gehst du vor?

Liebe Grüße
Maj-Britt